September 4

Code Conversion im Rahmen einer S/4HANA-Brownfield-Migration


Umfangreiche Z-Entwicklungen strukturiert für SAP S/4HANA vorbereiten

Ein produzierendes Industrieunternehmen aus der Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen bereitete seine gewachsene SAP-Systemlandschaft im Rahmen einer Brownfield-Migration auf SAP S/4HANA vor. Ein zentraler Bestandteil war die Code Conversion: Umfangreiches kundeneigenes Z-Coding musste analysiert, bewertet und für SAP S/4HANA 2023 angepasst werden.

Neben der technischen Kompatibilität standen dabei vor allem Risikominimierung, Transparenz und die Berücksichtigung fachlicher Anforderungen im Fokus.

Ausgangslage

Die bestehende SAP-Codebasis war über viele Jahre gewachsen und umfasste zahlreiche kundeneigene Programme, Erweiterungen und Anpassungen. Mit der Migration auf SAP S/4HANA mussten diese Entwicklungen nicht nur technisch geprüft, sondern auch hinsichtlich ihrer zukünftigen fachlichen Relevanz bewertet werden.

Um die umfangreiche Code Conversion beherrschbar zu gestalten und die eigentliche Brownfield-Migration zu entlasten, wurde das Vorgehen bewusst in zwei Phasen gegliedert.

Zielsetzung

Ziel war es, die relevanten kundeneigenen Entwicklungen für SAP S/4HANA 2023 vorzubereiten. Dazu gehörten Anpassungen aufgrund von HANA-DB- und S/4HANA-relevanten Findings sowie notwendige Änderungen bestehender Programmlogiken.

Gleichzeitig sollte das zeitliche Risiko der eigentlichen Conversion reduziert werden, indem geeignete Tätigkeiten bereits im Vorfeld durchgeführt wurden. Wo technische Veränderungen Auswirkungen auf bestehende Prozesse hatten, mussten zudem fachlich geeignete Alternativen bewertet werden.

Vorgehen im Projekt

Die Code Conversion erfolgte in zwei Phasen.

In einem Vorprojekt unter ECC 7.40 wurden zunächst insbesondere HANA-DB-Findings sowie erste S/4HANA-relevante Anpassungen bearbeitet. Dadurch konnten technische Risiken frühzeitig reduziert und Aufgaben aus dem späteren kritischen Projektpfad herausgenommen werden.

In der eigentlichen Brownfield Conversion wurden die betroffenen Objekte anschließend nach einem differenzierten Ansatz bewertet: Retain, Retire, Rethink und Remediation. Für jede Entwicklung wurde damit betrachtet, ob sie weitergeführt, abgelöst, neu gedacht oder technisch angepasst werden sollte.

Umgesetzte Lösung

Die it-motive AG unterstützte das Projekt mit SAP-Entwicklungskompetenz, S/4HANA-Verständnis und Erfahrung im strukturierten Umgang mit gewachsenen SAP-Codebasen.

Nach den vorbereitenden Anpassungen im Vorprojekt wurden in der Hauptphase die S/4HANA-relevanten Findings systematisch analysiert, fachlich eingeordnet und technisch bearbeitet. Die Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit Fachbereich, IT, PMO und weiteren Projektbeteiligten.

Eine besondere Anforderung entstand im Bereich der Disposition. Aufgrund auslaufender Wartungsbedingungen der Compatibility Packs konnten bestehende Funktionen nicht unverändert fortgeführt werden. Aus einer zunächst technischen Anpassung wurde damit eine fachliche Neubewertung im Kontext des zukünftigen Zielprozesses.

Auch die Einbindung einer 3rd-Party-Software erforderte zusätzliche technische Analyse und wurde in die laufende Projektarbeit integriert.

Ergebnis und Nutzen

Die Code Conversion wurde als Projektanteil abgeschlossen und damit eine wichtige Voraussetzung für die weitere SAP S/4HANA-Brownfield-Migration geschaffen.

Durch die Aufteilung in Vorprojekt und Hauptphase konnten technische Vorarbeiten frühzeitig erledigt und Risiken für die eigentliche Conversion reduziert werden. Die umfangreichen kundeneigenen Entwicklungen wurden geprüft, angepasst und dort, wo erforderlich, fachlich neu bewertet.

Der Ansatz aus Retain, Retire, Rethink und Remediation sorgte zudem für Transparenz innerhalb der Codebasis. Durch die gezielte Zur-Ruhesetzung ungenutzten Codes („Retire“) lassen sich künftig technische Schulden und Wartungskosten reduzieren.

Projektkomplexität und Erfolgsfaktoren

Die große Codebasis, mehrere beteiligte Projektparteien, feste Meilensteine sowie hohe Anforderungen an Dokumentation und Nachverfolgung machten eine klare Strukturierung notwendig.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war dabei die Verbindung von technischer Analyse und fachlicher Bewertung. Nicht jede Änderung ließ sich ausschließlich als technische Code Remediation behandeln. Gerade dort, wo neue technische Rahmenbedingungen bestehende Prozesse berührten, war zusätzlich Prozessverständnis gefragt.

Beitrag der it-motive AG

Die it-motive AG übernahm neben der Analyse und Anpassung kundeneigener Entwicklungen auch Aufgaben bei der Strukturierung des Vorgehens, der Nachverfolgung offener Punkte und der fachlichen Einordnung einzelner Anforderungen.

Entscheidend war die Kombination aus SAP-Entwicklungskompetenz, S/4HANA-Verständnis und praktischer Projektarbeit. Die einzelnen Aufgaben wurden nicht isoliert betrachtet, sondern stets im Zusammenhang mit der Migration, den Zielprozessen und weiteren Projektabhängigkeiten.

Relevanz für weitere Kunden

Die Erfahrungen aus dem Projekt sind insbesondere für Unternehmen relevant, die eine SAP S/4HANA-Brownfield-Migration mit einer umfangreichen, historisch gewachsenen Codebasis planen.

Die Vorgehensweise lässt sich auch auf Selective-Data-Transition- oder Mix-&-Match-Szenarien übertragen. Sollen bewährte Eigenentwicklungen aus einem Altsystem übernommen werden, müssen diese frühzeitig analysiert, fachlich bewertet und technisch für die S/4HANA-Zielumgebung vorbereitet werden.

Je nach Zielbild kann das eine technische Anpassung, eine Neuentwicklung oder auch die bewusste Ablösung einer bestehenden Entwicklung bedeuten.

Erkenntnisse aus dem Projekt

Die Anzahl technischer Findings ist ein wichtiger Indikator für den Umfang einer Code Conversion – für eine belastbare Planung reicht sie allein jedoch nicht aus. Auch Projektmethodik, Dokumentation, Prüfläufe, Toolunterstützung und die Einbindung der Fachbereiche beeinflussen den Aufwand.

Ebenso wichtig ist das Zusammenspiel verschiedener Kompetenzen: SAP-Entwicklung, Prozessverständnis und operative Projektarbeit müssen insbesondere bei umfangreichem Z-Coding eng miteinander verzahnt sein.

Das Projekt bestätigt zudem den Nutzen einer frühen Vorphase. Werden geeignete Anpassungen bereits vor der eigentlichen Conversion durchgeführt, lassen sich Risiken und Belastungen in späteren Projektphasen gezielt reduzieren.

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