Mai 11

Integration von SAP, MES und Planungssystem in einem Fertigungswerk


Anpassung einer SAP-MES-Schnittstelle für ein Werk in Nordrhein-Westfalen

Ein Industrieunternehmen aus Nordrhein-Westfalen stand vor der Aufgabe, eine bestehende SAP-MES-Integration auf ein weiteres Werk auszudehnen. Die Schnittstelle war bereits produktiv für ein anderes Werk im Einsatz. Die Erweiterung musste daher so umgesetzt werden, dass der laufende Betrieb an einem bestehenden Standort nicht beeinträchtigt wird. Im Fokus standen die Übertragung von Fertigungsaufträgen mit zusätzlichen produktionsrelevanten Daten und die Anbindung eines separaten Planungssystems.

Ausgangslage

Bereits vor Projektbeginn bestand eine produktive Schnittstelle zwischen SAP und dem MES Hydra für ein Werk des Unternehmens. Diese Integration dient der Übergabe von Fertigungsaufträgen in einer vorgegebenen IDoc-Struktur an das Produktionssystem.

Für die Ausweitung auf ein weiteres Werk reichte die bestehende Logik jedoch nicht aus. Es mussten Korrekturen an den zu übertragenden Daten vorgenommen werden. Zudem waren zusätzliche produktionsrelevante Informationen erforderlich, die in der bisherigen Datenversorgung noch nicht enthalten waren.

Erschwerend kam hinzu, dass ein separates Planungssystem eingebunden werden musste. Dieses System liefert Kapazitäts- und Zeitdaten für Fertigungsaufträge an SAP. Diese Informationen mussten anschließend an das MES weitergegeben werden, da die Einplanung in diesem Szenario nicht im MES selbst erfolgt.

Zielsetzung

Ziel war es, die bestehende SAP-MES-Schnittstelle so zu erweitern, dass geänderte und neu angelegte Fertigungsaufträge auch für das zusätzliche Werk zuverlässig an das MES Hydra übermittelt werden können.

Dafür sollte die bestehende IDoc-basierte Integration um werksspezifische Anforderungen ergänzt werden. Neben der technischen Erweiterung stand die fachlich korrekte Übertragung zusätzlicher produktionsrelevanter Daten im Vordergrund. Gleichzeitig musste sichergestellt werden, dass die produktive Nutzung der Schnittstelle in einem anderen Werk unverändert stabil bleibt.

Vorgehen im Projekt

Die Bearbeitung erfolgte nicht als einmaliges, abgeschlossenes Projekt. Seit 2023 wurden die Anforderungen in einzelnen Abrufen umgesetzt. Das Vorgehen war damit eher schrittweise als linear.

Im ersten Schritt wurde geprüft, welche Teile der bestehenden Schnittstelle für das zusätzliche Werk übernommen werden können und an welchen Stellen Anpassungsbedarf besteht. Darauf aufbauend wurden die betroffenen Datenfelder und Logiken fachlich eingeordnet.

Anschließend wurden die erforderlichen Korrekturen in der Datenübertragung umgesetzt. Ergänzend wurden zusätzliche produktionsrelevante Informationen in die Befüllung der IDoc-Struktur aufgenommen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Einbindung der Planungsdaten aus dem separaten System GTT, damit diese Informationen über SAP an das MES weitergereicht werden können.

Die Anpassungen mussten dabei so umgesetzt werden, dass keine negativen Auswirkungen auf den bereits produktiven Betrieb im anderen Werk entstehen.

Umgesetzte Lösung

Technisch basiert die Lösung auf einer IDoc-Schnittstelle zwischen SAP und dem MES Hydra. Verwendet wird dabei ein spezielles Format, das vom MES-nahen Lösungsrahmen vorgegeben war. Die Aufgabe bestand nicht darin, eine neue Integration von Grund auf aufzubauen, sondern eine bestehende Schnittstelle gezielt zu erweitern.

Im laufenden Prozess werden neu angelegte oder geänderte Fertigungsaufträge regelmäßig aus SAP an das MES gemeldet. Im Zuge dieses Laufs wird die vorgegebene IDoc-Struktur mit den erforderlichen Informationen befüllt.

Für das zusätzliche Werk wurde diese Befüllungslogik angepasst. Dazu gehörten Korrekturen an den zu übertragenden Daten sowie die Aufnahme weiterer produktionsrelevanter Informationen. Ergänzt wurde außerdem die Weitergabe von Planungsdaten aus dem separaten System GTT, insbesondere zu Kapazitäten und Zeiten von Fertigungsaufträgen.

Damit entstand eine erweiterte Integrationslogik, die sowohl bestehende Anforderungen als auch werksspezifische Zusatzinformationen berücksichtigt.

Ergebnis und Nutzen

Durch die Anpassungen können geänderte und neu angelegte Fertigungsaufträge in der vorgesehenen IDoc-Struktur an das MES Hydra übermittelt werden. Die Schnittstelle wurde damit für ein weiteres Werk nutzbar gemacht.

Positiv ist vor allem, dass diese Erweiterung umgesetzt werden konnte, ohne den laufenden produktiven Prozess in einem anderen Werk zu beeinträchtigen. Das war eine zentrale fachliche und technische Randbedingung.

Darüber hinaus steht dem MES nun eine erweiterte Datenbasis für die Fertigungssteuerung zur Verfügung. Dazu gehören auch zusätzliche produktionsrelevante Informationen sowie Planungsdaten aus dem angebundenen Drittsystem. Ein quantitativ messbarer wirtschaftlicher Nutzen wurde nicht benannt. Qualitativ lässt sich jedoch festhalten, dass die Datenversorgung für die Produktionsprozesse auf eine breitere und belastbarere Grundlage gestellt wurde.

Im Projektkontext wurde zudem eine mögliche nächste Ausbaustufe erkennbar: Rückmeldedaten aus der Fertigung sollen perspektivisch näher an der Produktion erfasst und an SAP zurückgegeben werden.

Besondere Herausforderungen im Projekt

Die größte Herausforderung lag darin, eine bereits produktiv genutzte Schnittstelle für ein weiteres Werk zu erweitern, ohne den Betrieb an einem bestehenden Standort zu stören. In solchen Konstellationen erhöhen schon kleine Änderungen die Anforderungen an Abstimmung, Prüfung und technische Sorgfalt.

Hinzu kam die fachliche Komplexität der zusätzlichen Daten. Die produktionsrelevanten Informationen waren teilweise sehr spezifisch. Zudem mussten Daten aus einem separaten Planungssystem berücksichtigt werden. Solche Konstellationen erhöhen die Komplexität der Schnittstellenlogik deutlich, weil Informationen aus mehreren Systemen konsistent zusammengeführt werden müssen.

Ein weiterer Punkt betrifft die Rückmeldephase. Nach dem vorliegenden Stand werden Rückmeldedaten noch nicht durchgängig direkt über das MES an SAP zurückgegeben. Teilweise bestehen hier noch Übergänge über externe Software. Diese Systembrüche sind für eine spätere Ausbaustufe relevant.

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